Die unsichtbaren Wörter unter Annas Bett

Anna lag in ihrem Bett. Aber sie konnte nicht schlafen. Unter dem Bett lag Mamas Lieblingsstift. Er war kaputt. Anna hatte ihn aus Versehen zerbrochen.
„Niemand hat es gesehen“, flüsterte Anna. Sie zog die Decke über den Kopf.
Da kitzelte etwas Warmes ihre Nase. Ein kleiner orangener Drache saß auf ihrem Kissen. Seine Schuppen schimmerten sanft im Dunkeln.
„Ich bin Luminos“, sagte er leise. Seine Stimme klang wie ein weiches Lied. „Hörst du das auch?“
Anna lauschte. Unter dem Bett kratzte etwas. Luminos pustete, und glitzernde Buchstaben schwebten durch die Luft. Jetzt konnte Anna lesen, was der Stift im Dunkeln schrieb.
„Warum versteckst du mich?“ stand da in traurigen, grauen Buchstaben.
Anna schaute sich um. Ihr Zimmer war grauer als sonst. Die bunten Bilder an der Wand sahen blass aus.
„Mein Zimmer ist so traurig“, sagte Anna leise.
Luminos legte seinen kleinen Kopf schief. „Was glaubst du, woran das liegt?“
Anna dachte nach. „Weil ich etwas verstecke?“
Luminos nickte sanft. „Was möchtest du tun?“
Annas Herz klopfte. Aber sie stand auf. Sie holte den Stift unter dem Bett hervor. Dann ging sie zu Mamas Zimmer.
„Mama, ich habe deinen Stift kaputt gemacht. Es tut mir leid.“
Mama nahm Anna in den Arm. „Danke, dass du ehrlich bist. Das ist mir viel wichtiger als jeder Stift.“
Als Anna zurück ins Zimmer kam, schwebten bunte Wortblasen von Luminos durch die Luft. Rot, Gelb, Blau. Das ganze Zimmer leuchtete wieder.
Luminos zwinkerte. Dann wurde er ganz still, ganz warm, ganz leise.
Anna schlief ein. Mit einem Lächeln.